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Kreisverband Schweinfurt-Land

Aktuelles aus dem Kreisverband

Respektlose Kinder Schwerpunktthema der Verbandsarbeit in diesem Schuljahr

 „Im Mittelpunkt der konzeptionellen Arbeit stehen künftig die Fragen nach dem Erhalt unserer Schulstandorte und mit dem Arbeitskreis Grundschule konkrete Hilfen beim Umgang mit respektlosen Kindern“, erklärte Schäffer. Beide Schwerpunktthemen würden im Sinne einer nachhaltigen Arbeit „weiter beackert“ werden.

„Immer mehr Kinder sind in ihrer emotionalen Entwicklung gestört“, so BLLV-Kreisvorsitzender Walter Schäffer (Schweinfurt-Land). Es gebe Grundschüler, die nie Regeln gelernt hätten und das machen, was sie gerade wollen. Respektlose Kinder und kleine „Prinzen“ und „Prinzessinnen“ erschwerten den Lehrkräften ihre Arbeit. Das beginne mit dem nicht Einhalten von Gesprächsregeln und ende mit dem nicht Hochstellen des Stuhles zum Schulschluss. Dies sei oft auch ein Problem der Wahrnehmung durch das Kind.

 „Kinder brauchen Regeln“, so Schäffer, denn sie machten nur, was sie vorgelebt bekommen. Teamfähigkeit und ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz lernten die Schüler spätestens bis zur zweiten Klasse. Dabei brauchten sie Orientierung und Vorgaben. Schule fordere Aufmerksamkeit und habe keinen „Eventcharakter“. In den vergangenen fünf Jahren habe sich das Problem verschlimmert, daher habe der BLLV eine Arbeitsgruppe gegründet.

 Schäffer sieht  drei Ursachen für diese Entwicklung. Das Kind werde als kleiner Erwachsener behandelt, der Erwachsene entwickele das Bedürfnis, vom Kind geliebt zu werden, und das Kind werde im Rahmen einer psychischen Verschmelzung ein Teil des Erwachsenen. Dadurch komme es zu einer Machtumkehr, die dem Kind die Chance auf eine gesunde Entwicklung verbaut. Das Kind entwickle sich so zum kleinen Tyrannen.

 In der Erziehung sei es wichtig, die psychische Entwicklung von Kindern in den Mittelpunkt zu stellen. Der emotionale Missbrauch von Kindern unter dem Deckmantel eines partnerschaftlichen Umgangs werde zum Problem, denn Kinder seien keine kleinen Erwachsenen. Schäffer empfiehlt die Rückkehr zum intuitiven Verhalten gegenüber Kindern, damit diese endlich wieder Kind sein dürften. Im Verlauf dieses Schuljahres werden verschiedene Veranstaltungen zu diesem Thema stattfinden.

Den Anfang machte eine Lehrerfortbildung mit Persönlichkeitsbildner, Knigge- und Tanzlehrer Bruno Wissenz (Pautzfeld) an der Grundschule in Grettstadt zum Thema „Werte leben. Werteerziehung einmal anders“. Er forderte auf, Mut zu haben und verdeutlichte: „Lehrer sitzen an der Quelle, haben neben den Eltern den größten Einfluss auf die Erziehung der Kinder und sind Fachleute.“ Er leitete auch den Väterabend und fragte: „Auf einer Reihe Diktator, Chef, Kumpel, wo ordnen Sie sich da ein?“ Viele Väter wollten der Kumpel ihrer Kinder sein. Das sei doch sehr erstaunlich, denn eine Erziehung auf derselben Ebene funktioniere nicht. Kinder suchen sich immer Vorbilder, sie wollen stolz auf ihren Vater sein, wollen zu ihm aufschauen. Kinder brauchen klare Ansagen, ohne Kompromiss, ohne Diskussion. Das entspricht dem Handeln eines Chefs.

„Viele Väter halten sich immer mehr aus der Erziehung ihrer Kinder heraus. In Kindergarten und Grundschule sind unsere Kinder fast nur von Erzieherinnen umgeben. Bei mir reifte die Idee, die Väter mehr in die Verantwortung zu nehmen,“ sagte Andreas Sauer, Rektor der Grundschule. Er hatte die Väter zu einem Schwerttanz-Workshop eingeladen. Gleichzeitig konnten die Jungs der dritten und vierten Klassen im Unterricht den Schwerttanz erlernen. Dieser sei bestens geeignet, die Persönlichkeit von Kindern zu schulen, so Wissenz. Es gehe nicht nur darum, ein Bewusstsein für seinen Körper und dessen Kräfte zu entwickeln, sondern um „alte“ Werte wie Disziplin, Ehre, Hilfsbereitschaft und Mut.

 „Jeder Vater hat eine Qualität“, stimmte Sauer zu. Es gelte, sie herauszufinden. Wichtig sei die Qualität der Zeit, die ein Vater mit seinem Kind verbringt. Einfachste Prinzipien in der Erziehung seien Konsequenzen. Diese nähmen Kinder dankbar an, weil danach die Sache erledigt und verziehen ist. Das entspreche der Suche der Jugend nach klaren Grenzen. Weitere Veranstaltungen werden folgen.               

Horst Fröhling